26.05.2009 19:59:00 von Oliver Timm
Festplatten: Markt & Entwicklung
Autor: Karl Fröhlich
Bei Festplatten ab einem TByte liegt der Preis pro GByte mittlerweile nur mehr bei 0,08 Euro. Trotz hoher Nachfrage macht der Preisverfall der Branche allerdings zu schaffen. Eine weitere Konsolidierung ist nicht ausgeschlossen. Gefragt sind hohe Kapazitäten, externe Laufwerke und 2,5 Zoll.
Allein im Enterprise-Segment wurden 2008 laut IDC fast 45 Millionen Laufwerke ausgeliefert. Bis 2012 rechnen die Analysten mit einem jährlichen Wachstum von 4,9 Prozent. Gemessen in TByte erreicht der Storage-Bedarf für Enterprise-Applikationen im selben Zeitraum eine Steigerung von 38 Prozent.
Zwar stehen auch die Hardware-Preise für Enterprise-Storage unter Druck, für Platten-Hersteller stellt dieses Segment allerdings einen großen und profitablen Markt dar. Enterprise-Drives halten 2008 am Gesamtmarkt der ausgelieferten Laufwerke einen Anteil von 8,2 Prozent. In punkto Umsatz beträgt der Anteil allerdings 19,1 Prozent.
Noch scheinen 2-TByte-Festplatten nicht stabil
genug zu laufen. 1,5 TByte sehen viele Integratoren lediglich als
Zwischengröße. Für das zweite Halbjahr kündigen zum Beispiel Buffalo und Iomega externe Laufwerke mit zwei TByte an. Seagate will in den nächsten Monaten mit WD gleichziehen.
Industrie drosselt Produktion
Obwohl es dem Harddisk-Segment noch relativ gut
geht, unbetroffen von der Wirtschaftskrise ist der Sektor nicht. Viele
Unternehmen stellen IT-Investitionen zurück, das trifft natürlich auch
die Festplattenhersteller. »Der Consumer-Markt kauft in großem Maße
externe 2,5-Zoll-Laufwerke«, erklärt Breinbauer. »Eine wichtige Rolle
spielen dabei Kapazität und Abmessungen. Überhaupt wollen Konsumenten
immer mehr Speicherplatz. Sei es für Videos, Musik oder digitale Fotos.
Umso mehr Leute auf Grund der Krise daheim bleiben, umso mehr surfen
sie im Internet und nutzen digitale Inhalte. Die müssen natürlich
irgendwo gespeichert werden.«
Binnen Jahresfrist doppelte Kapazität zum gleichen Preis
»Wir konnten im ersten Quartal 2009 eine deutliche Absatzsteigerung bei den externen Festplatten erzielen«, erklärt Björn Kaun, Senior Key Account Manager bei Iomega. »Dabei ist der Preisdruck deutlich zu spüren. So wurde im Vergleichszeitraum letztes Jahr eine externe 500-GByte-Platte (3,5 Zoll) mit USB-Anschluss zum gleichen Verkaufspreis vermarktet wie heute eine 1-TByte-Disk mit dem gleichen Anschluss. Diese beiden Produkte werden derzeit am meisten nachgefragt, mittelfristig wird auch zwei TByte eine interessante Kapazität zur Vermarktung darstellen. Wir merken verstärkt auch Nachfrage nach unseren Multimedia-Produkten. Die lange besprochene Konvergenz von Rechner und Unterhaltungsgeräten scheint sich langsam aber sicher durchzusetzen.«
Andreas Arndt, Sales Director Central Europe
bei Buffalo, erwartet, dass sich die Preise wieder nach oben
entwickeln: »Die Zeiten des Blutbad-Verkaufs sind vorbei. Wir
verzeichnen vor allem eine sehr starke Nachfrage nach Festplatten mit
hohen Kapazitäten. Mittelfristig werden sicher auch neue Technologien
wie SSD mehr Marktanteile für sich beanspruchen.«
2,5 Zoll auf dem Vormarsch
Die Nachfrage nach 2,5-Zoll-Festplatten steigt immer mehr. Neben der kompakten Bauform zählen eine geringere Wärmeentwicklung und weniger Stromverbrauch zu den Vorteilen. »Im Enterprise-Bereich der großen Hersteller stellen unsere 2,5-Savvio-Produkte mittlerweile den Hauptanteil an Laufwerken dar, die direkt in den Servern verbaut werden«, sagt Seagate-Manager Breinbauer. »Im Handel erfolgt dieser Schritt sicherlich mit einiger Verzögerung.« Mittlerweile seien auch für Reseller und kleinere Integratoren geeignete Server und Gehäuselösungen verfügbar, so dass auch hier der Trend zu höherer Transaktionsleistung bei gleichzeitig niedrigerem Stromverbrauch zum Tragen komme.
Externe Festplatten seit Jahren ein Bestseller
»Inzwischen existieren bei externen Festplatten unterschiedlichste Produktkategorien mit jeweiligen Vorzügen, die sich auch in unserem Portfolio widerspiegeln«, sagt Iomega-Manager Kaun. »Der Anwender sollte bei der Wahl der Harddisk darauf achten, dass die Lösung seinem Speicherbedarf entspricht. Steht nur die maximale Kapazität oder die Mobilität im Vordergrund?« Entsprechend sollte eine Vorauswahl getroffen werden, ob es sich um einen Desktop- oder portablen Speicher handeln soll.
Für ein Sicherungs-Laufwerk ist eine
3,5-Zoll-Platte mit viel Speicherplatz eine gute Wahl. »Solche Disks
sollten die Möglichkeit zur Synchronisation und zum automatischen
Backup bieten«, meint Seagate-Manager Breinbauer. »Verschlüsselung ist
hier ebenfalls wünschenswert. Außerdem sind die Anschlussmöglichkeiten
zu beachten.« eSATA sei beispielsweise deutlich schneller als ein
USB-2.0-Anschluss. Wird die Platte oft mitgenommen, bietet sich ein
2,5-Zoll-Laufwerk an. Das ist leichter, passt in die Hemdtasche und
benötigt keine externe Stromversorgung. Hier sollten Käufer laut
Breinbauer darauf achten, ob die Platte Verschlüsselungsmöglichkeiten
bietet. Falls die Disk unterwegs verloren geht, sind dann zumindest die
gespeicherten privaten Daten vor unbefugtem Zugriff geschützt. Wichtig
für jede externe Platte: Der Stromverbrauch sollte gering sein,
beispielsweise versetzen sich manche Platten bei Inaktivität in einen
Schlafmodus.
Berührungsängste bei Netzwerkfestplatten
»Ein Netzwerk-Anschluss bietet die Möglichkeit, von mehreren PCs auf das Gerät zugreifen zu können«, ergänzt Kaun. »Für den Schutz vor Datenverlust empfehlen sich Lösungen mit RAID-Möglichkeit. Für die Verknüpfung des PC mit dem Fernseher im Wohnzimmer gibt es inzwischen Multimedia-Lösungen, mit denen digitale Inhalte einfach übertragen werden können.«
Netzwerkfestplatten erhalten immer mehr Zuspruch. Die so genannten NAS-Laufwerke (Network-Attached-Storage) gelten aber immer noch als erklärungsbedürftige Produkte, die ein gewisses Grundwissen in Netzwerktechnologie voraussetzen. »Dazu kommen die zur Verfügung stehenden Zusatzdienste wie FTP-Server oder benutzerbezogene Zugriffssteuerungen«, konstatiert Buffallo-Manager Arndt. »All diese Dinge sind zwar hinreichend dokumentiert, es besteht aber dennoch eine gewisse Berührungsangst. Der Markt für NAS wird sich im Laufe dieses Jahres aber mehr und mehr auch im Endkundensegment öffnen, da viele Anwender ihre Berührungsängste verlieren bzw. schon verloren haben und die Technologie immer einfacher zu handhaben wird.«
SSD-Markt steht noch am Anfang
Langsam aber sicher sollen sich Solid-State-Drives (SSD) in schnellen Systemen mit hohen I/O-Anforderungen etablieren. Laut IDC werden sich für Disk-Hersteller neue Marktchancen für performance-optimierte Laufwerke ergeben. Momentan bringen sich vor allem die Hersteller von Speichermodulen in Stellung. Gefragt und demnach notorisch knapp ist vor allem Intels »X25«-Serie. Für die 160-GByte-Version müssen Interessenten fast 820 Euro veranschlagen. Ein 80-GByte-SSD (»X25-M«) kostet mit 464 Euro etwas mehr als die Hälfte davon. Mit dem zunehmenden Angebot und der steigenden Modellvielfalt erwarten Experten im zweiten Halbjahr verstärkt Bewegung im Markt.
»Der SSD-Markt wird sich im Laufe des Jahres 2009 stark verändern«, erwartet auch Edmund Dägele, President & CEO bei TakeMS.
»Neu entwickelte Controller versprechen mit günstigem MLC-Flash
hervorragende Ergebnisse zu liefern. Können diese Versprechen umgesetzt
werden und beruhigt sich die Wirtschaftslage, so steht den SSDs auf
ihrem Erfolgskurs nichts mehr im Wege. Das Angebot wird steigen, die
Preise fallen. Deshalb rechnen wir im vierten Quartal 2009 mit einer
starken Nachfrage.«
Weitere Konsolidierung nicht ausgeschlossen
Nach dem Zusammenschluss von Fujitsu und Toshiba
hält Seagate-Manager Breinbauer eine weitere Konsolidierung für nicht
unwahrscheinlich. Noch gebe es fünf große Hersteller. Im Vergleich zu
anderen Märkten sei dies nicht so wenig. Im Segment für Prozessoren
oder Betriebssysteme seien es nur noch zwei bis drei Akteure. Soweit
könnte es beim Festplattenmarkt auch kommen.
Quelle: www.speicherguide.de - das Storage Magazin, 30.04.2009
Bei Festplatten ab einem TByte liegt der Preis pro GByte mittlerweile nur mehr bei 0,08 Euro. Trotz hoher Nachfrage macht der Preisverfall der Branche allerdings zu schaffen. Eine weitere Konsolidierung ist nicht ausgeschlossen. Gefragt sind hohe Kapazitäten, externe Laufwerke und 2,5 Zoll.
Allein im Enterprise-Segment wurden 2008 laut IDC fast 45 Millionen Laufwerke ausgeliefert. Bis 2012 rechnen die Analysten mit einem jährlichen Wachstum von 4,9 Prozent. Gemessen in TByte erreicht der Storage-Bedarf für Enterprise-Applikationen im selben Zeitraum eine Steigerung von 38 Prozent.
Zwar stehen auch die Hardware-Preise für Enterprise-Storage unter Druck, für Platten-Hersteller stellt dieses Segment allerdings einen großen und profitablen Markt dar. Enterprise-Drives halten 2008 am Gesamtmarkt der ausgelieferten Laufwerke einen Anteil von 8,2 Prozent. In punkto Umsatz beträgt der Anteil allerdings 19,1 Prozent.
Der Desktop- und SATA-Bereich glänzt vor allem
durch immer neue Kapazitätsmarken und einen stetigen Preisverfall.
Alleine zwischen Anfang März und Anfang April 2009 verzeichnet der
Verkaufspreis Abschläge um bis zu 14 Prozent.
Eine TByte-Disk wie die Samsung »F1
HD103UJ« können Reseller mittlerweile bereits ab knapp 80 Euro
einkaufen. Vor einem Monat waren dafür noch rund zehn Euro mehr fällig.
Seagates 1,5-TByte-Laufwerk »Barracuda 7200.11 ST31500341AS« ist
ab zirka 113 Euro erhältlich. Das entspricht acht Cent/GByte. Das seit
kurzem verfügbare 2-TByte-Drive »Caviar Green WD20EADS« von Western Digital beläuft sich auf rund 264 Euro, also 0,13 Euro/GByte).
Industrie drosselt Produktion
Laut Seagate sollten sich Anwender und
Fachhändler auf eine schlechtere Verfügbarkeit einstellen. »Die
Produktionsleistung der Industrie wurde zurückgefahren«, sagt Bernd Breinbauer, Regional Sales Director Zentraleuropa
bei Seagate. »Das bedeutet, dass im restlichen zweiten Quartal der
Bedarf nicht komplett abgedeckt werden kann. Keiner in der IT-Industrie
kann genau sagen, was sich wie durch die Rezession verändern wird; das
betrifft die Festplatten-Branche genauso wie andere. Einige Dinge
können wir beeinflussen, wie die Produktionsplanung; auf andere
Faktoren, wie zum Beispiel die Versorgung mit Bauteilen, haben wir
mittelbar keinen Einfluss.« Ob sich die Lage in den Sommermonaten
beruhigt, sei ungewiss. Derzeit würden Produktion und Lagerhaltung in
der gesamten Lieferkette kostenoptimiert.
Binnen Jahresfrist doppelte Kapazität zum gleichen Preis
»Wir konnten im ersten Quartal 2009 eine deutliche Absatzsteigerung bei den externen Festplatten erzielen«, erklärt Björn Kaun, Senior Key Account Manager bei Iomega. »Dabei ist der Preisdruck deutlich zu spüren. So wurde im Vergleichszeitraum letztes Jahr eine externe 500-GByte-Platte (3,5 Zoll) mit USB-Anschluss zum gleichen Verkaufspreis vermarktet wie heute eine 1-TByte-Disk mit dem gleichen Anschluss. Diese beiden Produkte werden derzeit am meisten nachgefragt, mittelfristig wird auch zwei TByte eine interessante Kapazität zur Vermarktung darstellen. Wir merken verstärkt auch Nachfrage nach unseren Multimedia-Produkten. Die lange besprochene Konvergenz von Rechner und Unterhaltungsgeräten scheint sich langsam aber sicher durchzusetzen.«
2,5 Zoll auf dem Vormarsch
Die Nachfrage nach 2,5-Zoll-Festplatten steigt immer mehr. Neben der kompakten Bauform zählen eine geringere Wärmeentwicklung und weniger Stromverbrauch zu den Vorteilen. »Im Enterprise-Bereich der großen Hersteller stellen unsere 2,5-Savvio-Produkte mittlerweile den Hauptanteil an Laufwerken dar, die direkt in den Servern verbaut werden«, sagt Seagate-Manager Breinbauer. »Im Handel erfolgt dieser Schritt sicherlich mit einiger Verzögerung.« Mittlerweile seien auch für Reseller und kleinere Integratoren geeignete Server und Gehäuselösungen verfügbar, so dass auch hier der Trend zu höherer Transaktionsleistung bei gleichzeitig niedrigerem Stromverbrauch zum Tragen komme.
Externe Festplatten seit Jahren ein Bestseller
»Inzwischen existieren bei externen Festplatten unterschiedlichste Produktkategorien mit jeweiligen Vorzügen, die sich auch in unserem Portfolio widerspiegeln«, sagt Iomega-Manager Kaun. »Der Anwender sollte bei der Wahl der Harddisk darauf achten, dass die Lösung seinem Speicherbedarf entspricht. Steht nur die maximale Kapazität oder die Mobilität im Vordergrund?« Entsprechend sollte eine Vorauswahl getroffen werden, ob es sich um einen Desktop- oder portablen Speicher handeln soll.
Berührungsängste bei Netzwerkfestplatten
»Ein Netzwerk-Anschluss bietet die Möglichkeit, von mehreren PCs auf das Gerät zugreifen zu können«, ergänzt Kaun. »Für den Schutz vor Datenverlust empfehlen sich Lösungen mit RAID-Möglichkeit. Für die Verknüpfung des PC mit dem Fernseher im Wohnzimmer gibt es inzwischen Multimedia-Lösungen, mit denen digitale Inhalte einfach übertragen werden können.«
Netzwerkfestplatten erhalten immer mehr Zuspruch. Die so genannten NAS-Laufwerke (Network-Attached-Storage) gelten aber immer noch als erklärungsbedürftige Produkte, die ein gewisses Grundwissen in Netzwerktechnologie voraussetzen. »Dazu kommen die zur Verfügung stehenden Zusatzdienste wie FTP-Server oder benutzerbezogene Zugriffssteuerungen«, konstatiert Buffallo-Manager Arndt. »All diese Dinge sind zwar hinreichend dokumentiert, es besteht aber dennoch eine gewisse Berührungsangst. Der Markt für NAS wird sich im Laufe dieses Jahres aber mehr und mehr auch im Endkundensegment öffnen, da viele Anwender ihre Berührungsängste verlieren bzw. schon verloren haben und die Technologie immer einfacher zu handhaben wird.«
SSD-Markt steht noch am Anfang
Langsam aber sicher sollen sich Solid-State-Drives (SSD) in schnellen Systemen mit hohen I/O-Anforderungen etablieren. Laut IDC werden sich für Disk-Hersteller neue Marktchancen für performance-optimierte Laufwerke ergeben. Momentan bringen sich vor allem die Hersteller von Speichermodulen in Stellung. Gefragt und demnach notorisch knapp ist vor allem Intels »X25«-Serie. Für die 160-GByte-Version müssen Interessenten fast 820 Euro veranschlagen. Ein 80-GByte-SSD (»X25-M«) kostet mit 464 Euro etwas mehr als die Hälfte davon. Mit dem zunehmenden Angebot und der steigenden Modellvielfalt erwarten Experten im zweiten Halbjahr verstärkt Bewegung im Markt.
»Im Jahr 2009 wird es auch von uns SSDs auf dem
Markt geben«, sagt Seagate-Manager Breinbauer. »Das ausschlaggebende
Kriterium im Speichermarkt sind die Kosten pro GByte. Deshalb werden
wir uns zunächst auf SSDs für den Unternehmensbereich konzentrieren,
denn für End-User sind sie einfach noch zu teuer und zu anfällig.« Laut
Breinbauer sind SSDs eine zukunftsträchtige Technologie, allerdings
bräuchten Anwender mehr Speicherplatz, als bezahlbare SSDs bieten
können. Deshalb seien Festplatten in naher Zukunft nicht zu ersetzen.
Weitere Konsolidierung nicht ausgeschlossen
Die Devise der Produzenten ist relativ einfach:
Jede neue Festplatten-Generation bietet eine größere Kapazität um einen
niedrigeren Preis/GByte zu erzielen sowie eine schnellere Performance,
bessere Zuverlässigkeit und einen geringeren Stromverbrauch. Den
Marktforschern von IDC zufolge sehen wir in naher Zukunft
5-TByte-Platten genauso wie Laufwerke mit Sicherheits- und
Energiesparfunktionen.
Quelle: www.speicherguide.de - das Storage Magazin, 30.04.2009

